Wendepunkte

Wenn ich den Weg noch einmal nachzeichne, den ich gegangen bin, dann gab es einige Wendepunkte, steile Kurven, Spitzen und Zacken, die mein Stift macht. Manchmal waren es aber auch weichere Rundungen, die dazu führten, dass sich die Richtung dennoch völlig umkehrte. Was sind diese Wendepunkte und sanften Wandlungen, und warum gibt es immer wieder Menschen, denen diese so extrem schwer fallen – von außen gesehen - als hätten sie keine Wahl.

Am meisten schmerzt es mich, wenn ich Menschen sehe, die immer weiter in ihr „Verderben“ hineinsteuern. Die zu viel Alkohol trinken und einfach nicht damit aufhören können. Die einen unbewussten, ungesunden Medien- und Konsumbestimmten Lebensstil pflegen und versuchen, ihren emotionalen und psychischen Ballast darunter zu verbergen. Warum gelingt es ihnen einfach nicht umzukehren, oder wenigstens Stück für Stück in eine andere Richtung zu lenken? Viele sind sogar höchst zufrieden mit ihrem Leben, wie es so läuft, bis sie schließlich sehr krank werden.

Krisen sind häufig der Grund, warum Menschen einiges in ihrem Leben überdenken. Trennungen, der Verlust einer Arbeitsstelle aber auch körperliche Wandelpunkte wie die Wechseljahre, eine Krankheit oder die Midlifecrisis können einen Richtungswechsel auslösen. Immer wenn die Strategien, die jemand sich zurecht gelegt hat nicht mehr funktionieren, kommt es zur Krise. Der überarbeitete Medien-Manager kann einfach irgendwann nicht mehr. Der emotional unterdrückte Fernseh-Junkie bekommt Krebs und die das abhängige Püppchen mimende Ehefrau wird verlassen. Spätestens dann ist es an der Zeit das bisherige zu überdenken und eine Kehrtwendung anzugehen. Sich zu überlegen, wie man auf eine andere Art und Weise durch das Leben gehen sollte. Sehr viele Menschen schaffen das auch. Beginnen endlich eine Therapie, wechseln den Job, finden ihre Berufung oder gehen endlich wieder eine Verbindung zur Natur ein und stellen sich auf die eigenen Beine um ihr Leben in die Hand zu nehmen. Doch einige scheinen es nie zu schaffen. Sie finden einfach nicht den Weg zum Richtigen Therapeuten, zur Entzugsklinik, zur alternativen Medizin, zur Natur oder zur Quelle ihrer inneren Kreativität.

Die Gründe dafür scheinen ebenso vielfältig zu sein, wie die Menschen einzigartig sind. Die Psychologie spricht vom Krankheitsgewinn. Ich denke es handelt sich so gut wie immer um einen Mangel an Selbstliebe.

Viele Menschen in unseren Kulturkreisen haben einen Mangel an Liebe und Fürsorge in der allerfrühsten Kindheit erlitten bis hin zu den schlimmsten Traumatisierungen. Und dann versuchen sie ihr Leben lang diesen Mangel durch andere Menschen (oder Tiere) auszugleichen, ohne zu merken, dass das niemand kann. Kein Mensch kann dieses Loch stopfen, diesen elementaren Liebesmangel erfüllen. Jeder Partner und jede Freundschaft ist dadurch überfordert. Außer einem/einer:

Du selbst! Du bist der einzige, der Dir das geben kann, was Du brauchst!

Wenn ich mich zurück erinnere war es auf meinem Weg immer ein merkwürdiger Impuls von Selbstliebe, der dazu führte, dass ich etwas radikal änderte. Ich merkte an einem gewissen Punkt, in der Pubertät, mit 30, mit über 40 nochmal und sicherlich auch immer wieder dazwischen: Ich liebe mich. Und das reicht. Das ist sogar mehr als genug! Und so konnte ich auch für mich und mein Wohlergehen sorgen.